Vorwort zum Thema Burgen

Unser Schwabenländle ist mit Sehenswürdigkeiten, wie z.B. mit Burgen, Schlössern und Klöstern, geradezu überhäuft! Der Besucherandrang, der auf solchen Anlagen tagtäglich herrscht, zeigt mir, dass ich nicht der Einzigste bin, der hierfür ein sehr großes Interesse aufbringt. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, Ihnen auf den folgenden Seiten die interessantesten Burgen, Schlösser und Klöster im Ländle aufzulisten, Beschreibungen der jeweiligen Bauwerke auszuarbeiten, Fotos zu integrieren und gleichzeitig eine dazugehörige, kleine Standortbeschreibung sowie eine Straßenkarte als Orientierung beizufügen.

Lassen Sie mich zu Beginn jedoch etwas über die Burgen an sich bemerken:
Im Mittelalter gab es in Deutschland ca. 17.000 Burgen. In manchen Gegenden, wie z.B. im Rheinland, in der Pfalz und auf der Schwäbischen Alb, ballten sich diese Adelssitze regelrecht.
Auf der Alb gab es einst ca. 4.000 Burgen, von denen bei ca. 150 noch sichtbare Reste übrig geblieben sind und somit noch heute bestaunt werden können. Jedoch lediglich 10% dieser übrig gebliebenen Zeitzeugen überdauerten entweder als bedeutende Ruinen oder gar als vollständige Gebäude. Manche wurden auch zu Schlössern umgebaut, meistens jedoch erinnern nur noch Flurnamen an die Burg.

Auf der Schwäbischen Alb bot sich der Albtrauf mit seinen Felsvorsprüngen und seiner weiten Aussicht buchstäblich für den Burgenbau an. Im Donautal zwischen Tuttlingen und Sigmaringen und im Großen Lautertal stehen die Burgen dichtgedrängt auf Sichtweise. Auch die Gegend zwischen Kirchheim, Reutlingen und Urach weist mit 60 Burgen eine sehr hohe Baudichte auf. Da in der Stauferzeit der Burgenbau Hochkonjunktur hatte, umfasste der staufische Besitz alleine ca. 250 Burgen.

Nach dem Ende der Staufer-Herrschaft begann vom Beginn des 14. Jahrhunderts bis zum Jahr 1500 das große Burgensterben. Diesem fielen zwischen Alpen und Rhein rund drei Viertel aller Anlagen zum Opfer. Durch neue Waffentechniken waren jetzt auf einmal die hohen Bergfriede und Schildmauern störend, da diese gute Ziele für die feindliche Artillerie boten. Wie z.B. die Württemberger begannen viele Landsherren, sich auf wenige Burgen zu konzentrieren oder konnten sich die hohen Umbau- und Modernisierungskosten schlicht und einfach nicht leisten und stellten sich unter den Schutz eines mächtigeren Herren. Andere zogen von ihren Bergen wieder herab in die Dörfer und erbauten Schlösser oder bauten ihre Stadtburgen um (wie z.B. die Württemberger u.a. in Stuttgart).
Weil in den veralteten Burgen niemand mehr wohnen wollte, verfielen sie ab dem 16. Jahrhundert oder wurden als Steinbruch zum Bau anderer Gebäude benutzt. Manche wurden aber auch zerstört oder angezündet. Hohenurach, Hohenasperg und Hohenneuffen jedoch wurden ausgebaut und blieben noch bis ins 18. Jahrhundert als württembergische Landesfestungen bestehen.

Bevor Sie jetzt jedoch Ihre Rüstung anlegen und den Gaul satteln, sollten Sie sich folgenden, aus dem Jahr 1518 stammenden Brief des Humanisten und Schriftstellers Ulrich von Hutten zu Gemüte führen:
"Die Burg selbst, mag sie auf dem Berg oder im Tal liegen, ist nicht gebaut um schön, sondern um fest zu sein; von Wall und Graben umgeben, innen eng, da sie durch die Stallungen für Vieh und Herden versperrt sind. Daneben liegen die dunklen Kammern, aufgefüllt mit Geschützen, Pech, Schwefel und dem übrigen Zubehör der Waffen und Kriegswerkzeuge. Überall stinkt es nach Pulver, dazu kommen die Hunde mit ihrem Dreck, eine liebliche Angelegenheit, wie sich denken lässt, und ein feiner Duft...Reiter kommen und gehen, unter ihnen sind Räuber, Diebe und Banditen...Man hört das Blöken der Schafe, das Brüllen der Rinder, das Hundsgebell, das Rufen der Arbeiter auf dem Felde, das Knarren und Rattern von Fuhrwerken und Karren; ja wahrhaftig, auch das Heulen von Wölfen wird im Haus vernehmbar, da der Wald so nahe ist. Der ganze Tag bringt Sorge und Plage, beständige Unruhe und dauernden Betrieb".

In seinem Buch "Vom Elend des Ritterlebens" beschrieb Prof. Horst Fuhrmann den Alltag auf einer Burg folgendermaßen:
"Die Enge im Wohnraum, die grimmige Kälte im Winter, die Nahungsvorsorge, die ständige Erneuerung, um den Bau vor dem Auseinanderfallen zu bewahren, und anderes mehr verursachten eine immerwährende Plackerei".

So romantisch, wie wir uns das Ritterleben immer vorstellen, war´s also ganz und gar nicht. Aber trotzdem: für ein paar Wochen (aber nur im Sommer!) würde ich schon mal gerne auf einer Burg leben um das damalige Treiben so richtig nachvollziehen zu können. Vielleicht dürfte ich dann ja dem Burgfräulein ein Tüchlein zum Beweis meiner Gunst überreichen...wer weiß?