zurück

Backhäusle

Früher gab es in jedem schwäbischen Dorf oder Stadtteil das sogenannte Backhäusle! Die Hausfrauen bereiteten zu Hause das Brot oder den Kuchen zu und trugen dann den Teig auf dem Blech hinüber zum Backhaus, wo auf dem Holzfeuer gebacken wurde.  Heute sind leider nur noch wenige Backhäusle in Betrieb. Die meisten sind jedoch in einem schlechten Zustand, viele wurden bereits abgerissen. Die Geschichte der Backhäusle reicht zurück bis ins 16. und 17. Jahrhundert. Die damaligen Backhäusle waren armselige Hütten, während die moderneren Ausführungen doch wesentlich besser ausgestattet waren. Hier waren dann auch meistens 2 Backöfen mit Vorrichtungen zur Hitzeregulierung (sogenannte Züge) eingebaut. Backen im Backhäusle ist eine Kunst, denn Thermostate stehen hier nicht zur Verfügung. Große Erfahrung und großes Augenmaß ist absolut erforderlich! Wie aber sieht es denn nun in einem solchen Backhäusle aus? Der Backvorgang selbst kann durch eine kleine, verschließbare Öffnung rechts neben dem Ofenloch beobachtet werden. Im Inneren des Ofens befindet sich links neben der Öffnung ein Loch, in das die Asche, die vorher mit der "Kruck" zusammengezogen wurde, fällt und dann in dem darunter liegenden Aschekasten aufgefangen wird. Die "Dörre" über dem Ofen ist ein separater, niedlicher Raum, in dem Birnen und Zwetschgen getrocknet werden können.

Die Backhäusle befinden sich meistens in der Ortsmitte, weil die Kirchenuhr für das Einhalten der Backzeiten sehr wichtig war und man gleichzeitig das Wasser des Dorfes verwenden konnte. Eine sogenannte "Backmeisterin" sorgte (und sorgt auch heute noch) für den reibungslosen Ablauf an den Backtagen. Ihre Aufgabe war meistens das Beschaffen und das Anheizen der Reisigbündel, das Einschießen und Herausnehmen der Brote und der Kuchen sowie dem reinigen und sauber halten des Ofens und des Backhauses. Außerdem erstellte sie einen Wochen-Backplan und loste die entsprechenden Backzeiten aus. Die früheren Backgebühren lagen im Bereich von 75 Pfennig für einen Backvorgang (eine Hitze), heute müssen dafür ca. DM 20,00 bezahlt werden. Teilweise wird auch nach Anzahl der gebackenen Brote oder Kuchen abgerechnet. 

Natürlich sind zum backen im Backhäusle auch einige wichtige Gerätschaften unerlässlich. Dazu gehört z.B. die "Kruck" und der sogenannte "Hudelwisch", oder die "Einlaibschüssel" und der "Ausnemmer" sowie der Besen und der "Kehrwisch". Die "Kruck" ist ein quer an einer Stange angebrachter Schieber aus Eisen, mit dem die Glut zusammengezogen und dann im Aschenkasten gesammelt wird. Der "Hudelwisch" ist meist ein ausrangierter Obstsack, der, um eine Stange gewickelt, in Wasser eingetaucht und dann zum Entfernen der Glutreste verwendet wird.  Mit der "Einlaibschüssel" ist eine Holz- oder Blechschüssel gemeint, die ebenfalls an einer Stange befestigt ist und zum Einschießen der Brotlaibe benötigt wird. Mit dem "Ausnemmer" holt man das Brot aus dem Ofen, mit dem Besen und dem Kehrwisch wird zum Schluss das Backhäusle gesäubert.

Früher kam beim backen sehr oft der Aberglaube ins Spiel. Da wurden z.B. vor dem Einschießen der Brote drei Ähren in den Ofen gelegt. Die Ähren, altes Schutz- und Heilmittel, waren gleichzeitig aber auch ein guter Temperaturmesser. Wenn die Ähren nicht verkohlten, war die Hitze im Ofen richtig. Ein weiterer Aberglaube war, dass, wenn das Brot im Ofen ist, kein Kuchen angeschnitten werden darf, denn sonst wird das Brot rissig. Oder folgender Aberglaube: bekommt der Laib beim backen in der Mitte einen Riss, stirbt ein Familienmitglied oder ein Freund. Oder: wenn auf der Unterseite des Laibes ein Riss entsteht, gibt´s eine Hochzeit. Oder: das Brotlaib durfte nie auf den Rücken gelegt werden. Das bringt Unglück! Ein weiterer Aberglaube war, dass es, wenn der Teig am Messer hängen bleibt, ein teures Jahr gibt. Na ja...wer´s glaubt! Ich kann weder das eine noch das andere beweisen.   

Gerade heute erfreut sich das Holzofenbrot besonderer Beliebtheit, denn die leider fast ausgestorbenen, russgeschwärzten Backhäusle kommen wieder in Mode! Diese werden in vielen Orten wieder liebevoll und stilgerecht restauriert und von traditionsbewussten und engagierten Dorffrauen in Betrieb genommen. Wenn Sie einmal in den Genuss eines fünfpfündigen Holzofenbrots gekommen sind, dann wissen Sie, was wirkliches Brot ist! Allein die tiefbraune Brotkruste, die sich durchs Holzfeuer bildet, entbehrt jeder Beschreibung.

Kenner (zu denen ich mich auch zähle) behaupten, dass ein im Backhäusle gebackenes Brot im Wohlgeschmack mit dem aus einem modernen Herd keinesfalls zu vergleichen ist - geschweige mit den "Teigbollen" einer Großbäckerei.

Dasselbe trifft auch auf die Salz- und Zwiebelkuchen zu. Einen Zwiebelkuchen mit neuem Wein ist ein wahres Gedicht!

Na! Appetit bekommen?? Dann nehmen Sie sich doch das Zwiebelkuchen - Rezept, werfen den Ofen an (bitte keine offene Feuerstelle im Haus entfachen!!), holen einen Krug neuen Wein aus dem Keller - eine Flasche Trollinger tut`s zur Not auch - und genießen Sie diese Köstlichkeit!

Hinweis: Durch das Anklicken der nachfolgenden kleinen Vorschaubilder erscheinen die jeweiligen Fotos typischer Backhäusle, wie sie auf fast jedem Bauernhof im Schwäbischen Wald anzutreffen sind, im Großformat in einem separaten Fenster (Javascript muss aktiviert sein). Bitte dann ein klein wenig Zeit aufbringen, denn der Qualität wegen wurden die Fotos nicht stark komprimiert! 

Backhäusle 1   Backhäusle 2   Backhäusle 3   Backhäusle 4

Backhäusle 5   Backhäusle 6