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Der Philosoph und Theologe Friedrich Theodor Vischer wurde am 30.6.1807 in Ludwigsburg als Sohn eines Theologen geboren und starb am 14.9.1887 in Gmunden am Traunsee, wo er auch begraben liegt. Seinen Weg als Geistlicher bekam er nach dem frühen Tod seines Vaters, der 46-jährig am Flecktyphus starb, vorgegeben. In Tübingen studierte er an der Universität Philologie, Philosophie und Theologie. In Blaubeuren, wo er sich zuvor aufhielt, schrieb er unter dem Pseudonym "Schartenmayer" im Bänkelsängerton heitere Gedichte. Promoviert wird Vischer im Jahr 1832. Während seiner Tätigkeit als Vikar und dann als Repetent in Maulbronn, beschäftigt er sich ausschließlich mit Hegels Werken sowie mit Kunst und Literatur. Nachdem er sich 1834 für eine Pfarrstelle in Herrenberg beworben und diese dann auch erhalten hat, macht er diese jedoch, weil er seiner Meinung nach gar nicht auf eine Kanzel passt, sofort wieder rückgängig und beschwor mit dieser Entscheidung natürlich einen Eklat herauf. 1836
ist er als Privatdozent für Ästhetik und deutsche Literatur an der Uni
Tübingen beschäftigt, wo er 1844 zum ordentlichen Professor berufen wird. Als
er sich mit seiner Amtsantrittsrede extremen Ärger mit der Kirche einhandelte,
wurde er von dieser angegriffen und für staatsgefährlich erklärt, worauf ihm
dann für zwei Jahre die Vorlesungserlaubnis entzogen wurde. Die ersten beiden
Bände seiner "Aesthetik oder Wissenschaft des Schönen" erschienen
wären seiner Sperrzeit. Nach einem "Marterjahr" in Frankfurt erschien
der dritte Band. Nach 11-jähriger Tätigkeit in Zürich kehrt er 1866 nach Tübingen zurück und hält abwechselnd in Tübingen und am Polytechnikum in Stuttgart Vorlesungen. In Stuttgart, Keplerstr. 34, wohnte er von 1868 bis zu seinem Tod. Da er ständig unterwegs und auf Reisen war, führte Vischer ein äußerst unstetes und bewegtes Leben. Bei seiner im Herbst 1887 angetretenen Reise nach Venedig erkrankte er in Gmunden am Traunsee, wo er dann auch am 14.9. verstarb. An Eduard Mörike, ein Freund Vischers, schrieb er 1837, dass er er sich überhaupt nicht klar darüber wäre, ob er mehr Denker oder mehr Dichter wäre. Diese Widersprüche waren in seinem Wesen begründet. In all seinen dichterischen Werken hat Vischer versucht, den Lesern zu vermitteln, dass man Charakter, Zivilcourage und Eigenständigkeit besitzen muss, um bei den Tücken des Lebens nicht gleich in die Luft zu gehen. Seine Redewendung "Auch Einer" prägte ihn als schwäbischer Humorist. "Dem Oberflächlichen blieb ich stets fern, drang dem Hauptsächlichen bis in den Kern; ich haßte stets das Leere, Seichte, Schiefe, heut aber schöpf´ich gründlich aus der Tiefe" war sein Nachruf an Mörikes Grab. Dadurch ist nachvollziehbar, warum er Mörike immer als Künstler bezeichnete. |