zurück

Besenwirtschäftle

Besenwirtschäftle sind in Württemberg das Salz in der Suppe!
Zu erkennen sind diese urgemütlichen "Weinstuben auf Zeit" an den typischen Birken- oder Fichtenzweigen. Diese symbolisieren ein zum Ausschank umgestaltetes Wohn- oder Schlafzimmer der Wengerter, in dem die Viertelesschlotzer und die Freunde des Fassweines auf ihre Kosten kommen.

In anderen Gegenden nennt man die Besenwirtschäftle auch Rad-, Maien-, Gassen-, Stroh- oder Kranzwirtschaften. Törggelenstuben werden sie in Südtirol, Buschschenken oder Heurigenlokale in Österreich genannt.

Einer Rechtsverordnung Kaiser Karls des Großen aus dem Jahr 794 verdanken wir es, dass diese Besenwirtschäftle betrieben werden dürfen. Sein Erlass sagte aus, dass der eigene, umgebaute Jungwein dem "gemeinen Volk" in mit Efeu- oder Eichenlaubkränzen gekennzeichneten Trinkstuben verkauft werden darf.
1613 wurde jedoch in Heilbronn verordnet, dass die Besenwirtschaften den professionellen Gastwirten keine Konkurrenz machen dürfen und "...nichts anderes als den Hering praten" dürfen.
Durch einen Erlass vom württembergischen Herzog Christoph wurde außerdem die Anzahl der Besenwirtschaften und die Menge des Weinausschankes beschränkt.

Der eigentliche Grund für das Entstehen der Besenwirtschaften war, dass die Weingärtner (Wengerter) im Herbst einen Teil ihrer Ernte in herrschaftlichen Keltern abliefern mussten. Als die Oberhäupter jedoch bares Geld haben wollten, revoltierte der Wengerterstand. Die darauf folgenden Verhandlungen mit den Regenten ergaben, dass die Wengerter einen Teil ihres Weines steuerfrei behalten und diesen dann in einem begrenzten Zeitraum und nur in der eigenen Stube an ihre Gäste ausschenken durften. Die Kontrollfunktion für das Einhalten der gesetzlichen Vorschriften übernimmt heute der Wirtschaftskontrolldienst und die staatlichen Weinkontrolleure.

Die Wengerter, die mit ihren zivilen Preisen für die Getränke und die einfachen, aber wohlschmeckenden Speisen ihre Kasse aufbessern, sind heutzutage kleinere Hobby-Weingärtner oder sogenannte Selbstvermarkter. Innerhalb der Familie schafft man es mit Teamarbeit, die ganz besondere und gemütliche Besenatmosphäre zu schaffen.
Die herzhaften, deftigen und hervorragend schmeckenden Köstlichkeiten, z.B. ein Schmalzbrot, eine Schlachtplatte, ein Ripple mit Kraut oder ein Backsteinkäse mit Zwiebeln, werden in der eigenen Küche gekocht und den Gästen serviert.

Die Sitzmöglichkeiten im Besen sind regelmäßig vollkommen ausgeschöpft. Dicht gedrängt hockt man zusammen und schwätzt über Gott und die Welt. Gleichgültig welcher Bevölkerungsschicht man angehört...alle fühlen sich "sauwohl" im Besen.

Eigentlich schade drum, dass die Besenzeit nicht all zu lange geht. Obwohl...um so größer ist dann die Vorfreude auf die nächste "Besensaison".

Hinweisschild Besenwirtschäftle