Gaigel

Auch der Gaigel ist ein echt schwäbisches Kartenspiel und wird im Ländle nach wie vor sehr gerne gespielt.
Im Gegensatz zum Binokel ist der Gaigel jedoch ein Spiel, das, der Einfachheit wegen, ohne großartige Vorkenntnisse sofort von jedem Neuling gespielt werden kann. Des öfteren wurde ich auf nette Art und Weise gebeten, auch für den Gaigel eine Spielanleitung zu verfassen und diese hier auszustellen. Wie sie sehen können...ihr Wunsch war mir Befehl!

Genug der Vorreden, kommen wir nun zum Gaigel selbst. Der Gaigel wird mit denselben, handelsüblichen Karten wie der Binokel (Gaigel/Binokel - Karten) gespielt. 2 Spieler sind Grundvoraussetzung. Die Anzahl der Spieler kann jedoch nach Belieben erweitert werden. Das Melden an sich ist recht einfach, da nur ein sogenanntes "Paar" (gleichfarbige Dame und König) gemeldet werden kann. Bei Trumpffarbe erhält man hierfür 40-, und ohne Trumpf 20 Punkte gutgeschrieben. Das Spiel selbst wird auf 101 Punkte gespielt, d.h., das Spiel ist dann beendet, wenn die Summe der gestochenen Spielkarten mindestens 101 Punkte ergibt. Der Kartenwert ist wie folgt: As = 11 Punkte, Zehner = 10 Punkte, König = 4 Punkte, Dame = 3 Punkte, Bube (Unter) = 2 Punkte. Der Siebener (Dissle) ist aus Punktesicht (0 Punkte) absolut wertlos. In manchen Gegenden darf auch noch das Dissle gemeldet werden. In diesem Fall werden für diese Karte dann 10 Punkte angerechnet. Der erste Spieler, der mit den gestochenen Karten 101 Punkte erreicht, hat somit das Spiel gewonnen!

Spielvorbereitung:
Irgend ein Spieler mischt die Karten und teilt jedem der Mitspieler (natürlich verdeckt!) 5 Karten aus. Die übrigen Karten werden, ebenfalls verdeckt, sauber aufgestapelt in die Mitte des Tisches gelegt. Nachdem er die Karten nach dem genannten Schema verteilt hat, deckt er die obere Karte vom Kartenstapel auf und steckt diese dann deutlich für alle sichtbar unter den Kartenstapel. Die aufgedeckte Farbe ist nun Trumpf! Nach dem Austeilen nimmt dann jeder Spieler seine Karten auf. Sinnvoller Weise werden diese dann in der Hand farbweise zusammengesteckt. Somit erhält man einen sehr guten Kartenüberblick.
Das eventuell Gemeldete wird dem Punktekonto jedes Spielers gutgeschrieben, danach beginnt das eigentliche Spiel.

Spielbeschreibung:
Der rechts vom Gebenden sitzende Spieler legt nun die erste Karte offen auf den Tisch. Der Reihenfolge nach versucht nun jeder weitere Spieler die herausgelegte Karte zu überstechen. Dies kann entweder mit einer nächst höheren, farbgleichen Karte oder auch mit einer Trumpfkarte geschehen. Das Stechen an sich ist nicht Bedingung, jeder darf so spielen wie er möchte. Eine Farbreinheit innerhalb des Stiches braucht überhaupt nicht beachtet werden. Jeder kann diejenige Karte, gleich welcher Farbe auch immer, spielen, die er für richtig hält. Natürlich sollte schon eine gewisse Taktik dabei sein, denn man möchte ja schließlich die Kartenrunde gewinnen. Derjenige, der dann diese Kartenrunde gewonnen hat, sammelt die herausgespielten Karten ein, zählt in Gedanken die errungenen Punkte und legt dann die Karten verdeckt an seine Seite.
Hinweis: der Spieler, der das Trumpf-Dissle (Trumpf-Siebener) besitzt, darf dieses gegen die Trumpfkarte unter dem Kartenstapel in der Tischmitte austauschen!
Nachdem nun jeder Spieler mit seiner Karte geantwortet hat und somit der Gewinner dieser Kartenrunde feststeht, hat jeder Spieler nur noch 4 Karten auf der Hand. Um das Kartenkontingent wieder auf 5 Karten aufzustocken, hebt nun jeder Spieler von dem in der Tischmitte liegenden Kartenstapel eine Karte ab und steckt diese zu den anderen auf seiner Hand. Derjenige, der den vorherigen Stich gewonnen hat, beginnt mit dem Abheben, die anderen Spieler folgen ihm der Reihe nach. Wenn man beim holen einer neuen Karte ein glückliches Händchen hat, ergibt sich durch das Abheben jetzt immer die Möglichkeit, eine bislang zum Paar noch fehlende Karte zu erhalten. Wenn dies erfolgt ist, tut man dies natürlich lauthals kund.
Um nachträglichen Streiterein, wer nun was und wie viel gemeldet hat, aus dem Weg zu gehen, empfehle ich ihnen, das Gemeldete auf einem Block festzuhalten. Nachdem ja nun wieder jeder Spieler 5 Karten auf der Hand hat, beginnt eine neue Runde, d.h., derjenige Spieler, der den vorhergehenden Stich gemacht hat, legt die erste Karte auf den Tisch und alle anderen antworten der Reihenfolge nach mit ihren Karten.

Ende des Spiels:
Derjenige Spieler, der mit den gewonnenen Karten als erster 101 Punkte erreicht, hat das Spiel gewonnen. Dann heißt es: "auf ein Neues"!

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Gaigel. Sollten hierzu irgendwelche Fragen sein, stehe ich ihnen gerne und jederzeit zur Verfügung. Bitte per Mail bei mir melden!