<Seite
1><Seite 2><Seite 3><Seite
4><Seite 5><Seite
6><Seite 7><Seite
8><Seite 9>
<Eckdaten König Friedrich><Eckdaten
König Wilhelm I.><Eckdaten
König Karl><Eckdaten König
Wilhelm II.>
Durch
und während seiner Regierung hat sich der König nicht nur im eigenen Lande,
sondern auch im übrigen deutschen Vaterland eine große Popularität verschafft.
Ein Denkmal im Herzen seines dankbaren Volkes hat er sich durch folgende
Worte in seinem Testament gesetzt: "Ich habe für die Einigkeit, Selbstständigkeit,
Ruhe von Deutschland gelebt, mein Württemberg über alles geliebt. Heil
meinem Vaterland für die Zukunft!".
Nach Wilhelms
Tod übernahm, 41-jährig, König
Karl am 26. Juni 1864 die
Regierungsgeschicke. Infolge Wilhelms Erkrankung wurde Karl bereits
schon einige Monate vorher zu Wilhelms Stellvertreter in den
Regierungsgeschäften ernannt.
Karl widmete sich unmittelbar nach seiner Konfirmation am 17. März 1839
und nach seinem Umzug in das Schloss Ludwigsburg dem Studium der
Kriegswissenschaft, nachdem er bereits vorher in Sprachen, Geschichte
und Naturwissenschaft unterrichtet wurde. In den Jahren 1840 u. 41
besuchte er die Universität in Tübingen, ehe er 1841 u. 42 in Berlin
weiterstudierte. Am 13. Juli 1846 heiratet Karl die Tochter Kaiser
Nikolaus I.
von Russland, Olga
Nikolajewna,
die am 11. September 1822 geboren wurde. Von der Politik und den
Angelegenheiten der Regierung hielt sich Karl weitestgehend zurück.
vielmehr galt sein Interesse der Wissenschaft, der Kunst und der Staats-
u. Volkswirtschaft. Kurz nach dem Regierungsantritt hob König Karl den
am 24. Dezember 1864 die seit den Jahren 1855/56 bestandene Preß- und
Vereinsordonanzen auf. Außerdem kümmerte sich die Regierung intensiv
um den weiteren Ausbau des Eisenbahnnetzes um ca. 1.000 Kilometer. Viele
neuen Streckenabschnitte, wie z.B. von Waiblingen nach Backnang, von
Stuttgart nach Freudenstadt, von Heidenheim nach Ulm oder von Hechingen
nach Sigmaringen wurden fertig gestellt. Durch dieses weit verzweigte
Schienennetz häufte sich die Staatsschuld der württembergischen
Eisenbahnen auf 427 Millionen Mark an. Das Schulwesen unter Minister
Wolther wurde enorm nach vorne getrieben. Der König selbst widmete sich
sehr intensiv diesem Bereich. Gehoben wurde nicht nur die Volksschule an
sich, sondern auch die materielle Stellung der Volksschullehrer.
Außerdem wurde dem landwirtschaftlichen und gewerblichen
Fortbildungswesen durch die Gründung der königlichen Weinbauschule in
Weinsberg, durch Winterabendschulen, Lesevereinen und Ortsbibliotheken
große Aufmerksamkeit gewidmet. Auch die Gründung der Baugewerkschule
fällt in diese Regierungszeit, die Kunstgewerbeschule folgte.
Höhere Lehranstalten wie die Kunstschule, die Tierarzneischule oder das
landwirtschaftliche Institut in Hohenheim erhielten von der königlichen
Regierung vermehrt Mittel zur Ausdehnung ihres Wirkungskreises.
Die wissenschaftlichen
Bestrebungen aber standen unter persönlicher Fürsorge des Königs.
Eine Reihe wissenschaftlicher Vereine wird vom König unterstützt oder
steht, mit seiner Wirkung ins Leben gerufen, unter seinem Schutz, so
z.B. der Stuttgarter literarische Verein, der Verein für
mittelständische Naturkunde oder der württembergische Altertumsverein.
In den Wintermonaten der Jahre 1865 bis 1877 fanden auf Veranlassung des
Königs populär-wissenschaftliche Vorträge über alle Gebiete des
Wissens von Tübinger und Stuttgarter Gelehrten im Königsbau in
Stuttgart statt. Durch Aufträge an Künstler, durch Bereicherung der
Kunstsammlung und durch Schaffung neuer Kunstwerke fanden auch die
bildenden Künste rege Förderung und Unterstützung des Königs.
Die Bautätigkeit des
Königs konzentrierte sich auf die königlichen Schlösser, teils
veranlasste er die Erstellung öffentlicher Gebäude, meistens im
Renaissancestil gebaut, welche in ihrer monumentalen Erscheinung der
Residenzstadt einen stilvollen, noblen und reichen Charakter verliehen
haben. Für die Ausschmückung des Schlosses in Friedrichshafen (im
Sommer Aufenthaltsort des Hofes) und für die vielfältige
Neueinrichtung des Schlosses in Stuttgart wurde sehr viel getan.
Außerdem ließ der König in dem früheren Zisterzienserkloster
Bebenhausen (Link
zur separaten Seite Kloster Bebenhausen), wo schon seit 1807 unter
König Friedrich ein Jagdaufenthalt für die Jagden im Schönbuch war,
das zerfallene Klostergebäude wieder instand setzen und geschmackvoll
einrichten.
Ebenfalls große Sorgfalt brachte der König bei der Erhaltung anderer
und erhaltenswerter Baudenkmäler auf. So wurde z. B. das Kloster
Maulbronn (Link
zur separaten Seite Kloster Maulbronn) auf Staatskosten restauriert
oder die Tätigkeit des Komitees für den Ausbau des Ulmer Münsters
(Link zur separaten
Seite Ulmer Münster) extrem gefördert. Am 500-jährigen
Jubiläumsfest des Münsters 1877 nahm der König mit seiner Gemahlin
persönlich teil. Auch auf die Förderung und Entwicklung von Handel und
Gewerbe hatte der König ein besonderes Auge geworfen. So wurde die
materielle- und stilvolle Hebung der arbeitenden Klassen veranlasst, die
Einführung von gewerblichen Fortbildungsschulen in die Wege geleitet
und Landesausstellungen gefördert. Neben zahlreichen Ausstellungen in
kleinen Städten des Landes ist hier ganz besonders die am 19. Mai 1881
in Gegenwart des Königs und der Königin eröffnete Landesausstellung
in Stuttgart zu nennen. Hier zeigte sich, dass sich Handel und Gewerbe
vollständig erholt hatten und auf ganz solider Basis standen.

|