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Traditionen

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Traditionen können und sollen nicht nur unverändert weitergegeben, sondern gerade auch alte und teilweise vergessene Bräuche sollten wiederbelebt und neu ins Gedächtnis gerufen werden.

Wie schön ist es doch, dass es noch Pfingstbutze, Pelzmärte, Maskenträger, Sternsinger oder die uralten, restaurierten und wieder in Betrieb genommenen Backhäusle gibt.
Von hoheitlichen Vorschriften leiten sich viele Traditionen und Gebräuche ab. So z.B. wurde 1668 in Württemberg vorgeschrieben, wie lange man nach einem Todesfall Trauerkleider getragen werden mussten. "Anlangend die Copulation newer Eheleute, so wollen und verordnen Wir, dass dieselbe überall nicht am Montag, weil man sonst den Sonntag mit werktäglichen Geschäften prophanieren muss, auch nicht am Donnerstag wegen des folgenden Bettages, noch am Samstag, sondern ordinari am Dienstag oder Mittwoch, nach jeden Orths Gepflogenheit, geschehen soll".

Nachstehend bringe ich ihnen nun viele, teilweise auch längst vergessene, hochinteressante und wissenswerte Traditionen näher, die zu kennen auf jeden Fall lohnenswert sind. Nicht immer müssen alte Zöpfe abgeschnitten werden!

Die nachstehenden Traditionen sind dem Jahreslauf angepasst und somit den jeweiligen Monaten zugeordnet.

Beginnen möchte ich mit der Lichtmess, deren Sinn seit es elektrisches Licht und Straßenbeleuchtung gibt, weitestgehend verlorenen gegangen ist.
Dieser bäuerliche Los- und Werktag am 2. Februar geht auf Mariä Lichtmess zurück, an dem Kerzen oder das Wachs, das man zum Kerzenziehen benötigte, geweiht wurden. Abends zündete man Kerzen an, betete Rosenkränze und beobachtete dabei, wessen Kerze zuerst erlosch, flackerte oder ruhig und hell brannte. Das Verhalten des Kerzenlichts hatte symbolischen Charakter und wurde mit dem Lebenslicht des Kerzenbesitzers in Verbindung gebracht. Demjenigen, dessen Kerze als erstes erlosch, galt natürlich die gesamte Fürsorge, ein flackerndes Licht kündigte anscheinend eine zweifelhafte Entscheidung an. Derjenige aber, dessen Kerze ruhig brannte, befand sich auf dem richtigen Weg.
Zudem halfen die an Lichtmess geweihten Kerzen bei schweren Krankheiten, benutzte sie als Orakel am Totenbett oder zündete sie als Schutz gegen Blitzeinschlag an.
Die wiederkehrende Sonne als Licht- und Wärmequelle wurde zu allen Zeiten gefeiert. Bereits Ende des 7. Jahrhunderts wurde zum Gedenken an die Darstellung Jesu im Tempel das Lichterfest in den Kalender eingeführt.
Im bäuerlichen Leben hatte der Lichtmeßtag einen wetterbedingten Sinn. "Wenn´s an Lichtmeß stürmt und schneit, ist der Frühling nemme weit. Ist es aber klar und hell, kommt das Frühjahr nicht so schnell".
Der Bündelestag, wie man Lichtmeß auch nannte, war für viele Dienstboten und Handwerksgesellen der Tag des Weiterziehens. Diejenigen unter ihnen, die man nicht mehr haben mochte, mussten ihr Bündel schnüren und nach einer anderen Arbeitsstelle Ausschau halten. Oftmals wurden den Fortziehenden ein Brotlaib mit auf den Weg gegeben. Das den Fortgang begleitende Peitschenknallen sollte den oft schmerzlichen Abschied übertönen. "Heut isch mei Bündelestag, Morga mei Ziel. Wenn i marschiera muaß, no hau i et viel!".
Wer sich an Lichtmess eine Scheune voller Heu wünschte, musste einen an der Scheuer befestigten Heuwisch auf- und abziehen. Mist oder Lache fahren, war an Lichtmeß unbedingt zu unterlassen.

Die Fasnet schildere ich dem Umfang und der Besonderheit wegen an anderer Stelle. Bitte rufen sie die Seite "Fasnet" in der separaten Kulturrubrik auf!

Die Fasten- oder Karzeit war lange Zeit aus der Mode gekommen und aus dem Gedächtnis verschwunden. Heute jedoch lebt dieser bereits seit dem 4. Jahrhundert bekannte Brauch wieder immer mehr auf. Sieben Wochen, sprich vierzig Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern, ohne fleischlose Kost wird heutzutage ausgedehnt auf sieben Wochen ohne rauchen, trinken und andere Unzulänglichkeiten ausgedehnt.
Die Fastenbrezel, da ja bei Strenggläubigen oft nur Wasser- und Mehlspeisen erlaubt waren, kommen wieder in Mode.
Der Aschermittwoch wurde früher, so wurde in einer Urkunde von 1595 gefunden, auch "Häringstag" genannt. Anscheinend kannte man damals schon die besondere Wirkung von Heringen gegen den elendigen Kater, der einen an diesem Tag so erbarmungslos quälte.
Das sogenannte "äschen", also das Empfangen des Aschezeichens auf der Stirn, lässt sich heute noch kein guter Katholik entgehen. Es ist ein Symbol für die Buße und ein Zeichen für die Vergänglichkeit des Fleisches.
Das "Scheibenschlagen" und das Verbrennen von Holzstößen ist in Oberschwaben am ersten Sonntag nach Aschermittwoch alter Brauch. Beim am Abend stattfindenden Scheibenschlagen werden runde Holzscheiben mit einem Stecken in der Mitte glühend gemacht und über einen Bock abgeschlagen, so dass sie weit ins Tal hinunterfliegen. Begleitet wird dieses Treiben mit dem Gesang "Scheib aus, Scheib ei, Scheib über de Rhei, die Scheib soll mei Schätzle sei". Dass der Brauch weit zurückgeht, zeigen heute noch bestehende Flurnamen wie z. B. Scheibenbeller, Scheibengipfel oder Scheibenbühl auf.

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