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Traditionen

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Der "Nikolaustag" und die damit verbundenen Bräuche waren früher eine ruppige Angelegenheit. Die Pelz- oder Schellenmärte, manchmal als "Schandeklos" bezeichnet, waren urige Gesellen. Der Weihnachtsmann, der Nikolaus also, ist, so wie wir ihn heute kennen, erst im vorigen Jahrhundert entstanden.
Im Nordschwarzwald sind am 6. Dezember die sogenannten "Kloosle", vermummte und mit Besen oder Knüppeln ausgestattete Gestalten, unterwegs, machen die Gassen unsicher, jagen die Dorfjugend und verlangen von denjenigen, die ungeschoren davon kommen, Lösegeld.

In den "Klöpfelnächten" zur Zeit des Winteranfangs zogen vermummte Mädchen und Burschen umher, klopften an Türen und warfen mit Hülsenfrüchten um sich. Dieses Treiben hatte den Hintergrund, Dämonen und böse Geister zu vertreiben, mit denen man um diese Zeit ja immer rechnen musste. Das Klopfen machte den Geistern Angst, die Bohnen, Linsen und Erbsen galten als deren Delikatessen. "Aaklopfe Hämmerle, s´Brot leit im Kämmerle, s`messer leit danebe, was für a schönes Lebe" ist ein alter, aber heute noch bekanntes Vers zu diesem Anlass.

Weihnachtsmärkte ziehen Alt und Jung magisch an. Der älteste Weihnachtsmarkt Württembergs ist der seit 1467 bekannte Markt in Bad Wimpfen. 1692 wurde erstmals der Stuttgarter Weihnachtsmarkt erwähnt, der auf Anweisung von Herzog Friedrich Karl den sicherlich noch viel älteren Christkindlesmarkt ablöste.

Die zwölf Lostage zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar geben Aufschluss über das kommende Jahr. Üblich war es, dass der Bauer zwölf Zwiebelhäute (für jeden Monat eine Haut) mit Salz bestreute und beobachtete, wie viel Wasser sich in den Schalen bildete. Daraus entnahm er, ob es ein trockener oder regenreicher Sommer werden wird, oder ob es eine gute oder schlechte Ernte gibt.
Die heiligen zwölf Tage zwischen den Jahren spielten bereits im 4. Jahrhundert eine besondere Rolle. Hier wurden die christlichen Heilversprechungen den alten Vorstellungen vom Stillstand der Sonne oder der Furcht vor Wotans wildem Heer gegenübergestellt. Dieser Aberglaube hat sich sehr lange gehalten. Selbst am Verbot des Wäschewaschens  oder des Wäschewechselns in der Zeit der Rauhnächte hielt man bis in unser Jahrhundert hinein fest.

Der "Pfeffertag" am 28. Dezember gehörte z.B. bis vor einigen Jahren noch zu den geläufigen Nachweihnachtsbräuchen. Pfefferkuchen, sowie das Schlagen mit Ruten, das Verpfeffere, und das dazugehörige Singen von Bettelversen spielten dabei eine Rolle. "Pfeffer, Nusse, Küchle raus, oder i laß de Marder ins Hehnerhaus" war z.B. so ein Bettelvers.

Der alte Bott hat an Silvester immer verkündet: "Das Schießen in der Neujahrsnacht ist verboten". Daran gehalten hat sich freilich niemand; und dies, obwohl doch in der Silvesternacht sogenannte Scharwächter unterwegs waren, um das eigenständige Stopfen der Böller zu verhindern und so die Jugend vor Schaden zu bewahren. Das neue Jahr wurde trotzdem nach alter Väter Sitte ausgiebig und laut angeschossen. Das Schießen und der damit verbundene Knall sollte böse Mächte vertreiben; eine Vorstellung heidnischen Ursprungs.

Nicht nur die Geisterbeschwichtigung war wichtig, sondern auch der Blick in die Zukunft. Durch Kartenlesen, Bleigießen und gute Wünsche versucht man dies auch heute noch.
Traditionelle Altjahrabendfeiern finden z.B. in Schiltach im Schwarzwald oder in Leonberg statt. Diese sollen das Zusammengehörigkeitsgefühl am Altjahrabend vermitteln und stärken.
Am "Betteltag", wie der Altjahrabend oder der Neujahrstag auch genannt wurde, gingen die Kinder mit Körben von Haus zu Haus, sangen, klopften oder wünschten das neue Jahr an und erwarben sich dadurch ein kleines Zubrot. "Ich bin ein kleiner Mann, ich wünsche, was ich kann, viel Glück, viel Heil, viel Segen, mag Euch der Höchste geben. Prosit! zum neuen Jahr" wurde dabei sehr oft vorgetragen.

Die in ihrer Restform noch erhaltenen Dreikönigsspiele stammen aus dem Mittelalter. Um 1550 sollen vom Schulmeister und dessen Schülern Laienspiele aufgeführt und mit Heischegängen verbunden worden sein. Sie besuchten Häuser und schrieben mit geweihter Kreide die Buchstaben C + M + B sowie die Jahreszahl auf die Türen oder Türstöcke. "Gott segne dieses haus" kann von den Initialen der Könige Caspar, Melchior und Balthasar abgeleitet werden. Heute übernehmen die "Sternsinger" diese Tradition.

Der Begriff "Öberster" ist heute noch im Schwäbischen geläufig. Er bedeutet, dass der 6. Januar, also der Dreikönigstag, der letzte und somit der Oberste von den heiligen zwölf Nächsten zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar ist.

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